Goethes Begegnungen in Palermo: Der Fürst von Torremuzza

Palazzo Torremuzza in der Kalsa

Es war im April 1787. Das von Licht und mediterranen Düften durchflutete Palermo erschien Goethes Augen wie eine Vision von ursprünglicher Harmonie. Nach der langen Reise von Neapel und der Überquerung des Meeres entdeckte der Dichter in der sizilianischen Stadt nicht nur den Zauber der Natur, sondern auch eine alte Zivilisation, die noch in ihren Monumenten und ihren Menschen atmete.

Gabriele Lancillotto Castello Prinz von Torremuzza - Giuseppe Emanuele Ortolani - Biografia degli uomini illustri della Sicilia, ornata de' loro rispettivi ritratti, Neapel, 1817 | Goethe Haus Palermo
Gabriele Lancillotto Castello Fürst von Torremuzza – Giuseppe Emanuele Ortolani – Biographie der illustren Männer Siziliens, geschmückt mit ihren jeweiligen Porträts, Neapel, 1817

Eine der Persönlichkeiten, die ihn während seines Aufenthalts am meisten beeindruckten, war Fürst Gabriele Lancillotto Castello di Torremuzza: ein Aristokrat von erlesener Kultur, Numismatiker, Archäologe und Literat, der höchste Ausdruck des palermitanischen Adels, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Lebenspracht und Leidenschaft für das Wissen zu verbinden wusste. Goethe notierte in seinem Tagebuch am 12. April 1787 einen Besuch, der ihm in Erinnerung blieb:

„Heute hat man uns das Medaillenkabinett des Fürsten von Torremuzza gezeigt. In gewisser Weise ging ich nur widerwillig hin: Ich verstehe wenig von dieser Branche…. Aber ich habe meine Meinung bald geändert. Wie viel Schönheit, wie viel Geschichte steckt in diesen kleinen Münzen, die die Zeit verschont hat! Die bescheidensten Städte des Altertums, die vor Jahrhunderten verschwunden sind, sprechen noch immer zu uns durch diese Bronze- und Silbermarken, stumme Zeugen einer Welt, die war.“

Der Prinz empfing ihn in seinem Palast in der Via Torremuzza, in der Kalsa, einem harmonischen und strengen Gebäude mit Blick auf das Meer, nicht weit von der Villa Giulia und dem entstehenden Botanischen Garten entfernt.

Es war eine Wohnung, die den Geist ihres Meisters widerzuspiegeln schien: neoklassisch, ordentlich, aber voller Leben und Licht. Die Zimmer – das ‚Gelbe‘, das ‚Grüne‘, das ‚Blaue‘ – waren mit mythologischen Fresken geschmückt, und die Tische voller Münzen, Inschriften und sizilianischer Artefakte bildeten ein Privatmuseum ante litteram.

Titelblatt von Siciliae Populorum et Urbium Veteres Nummi - Palermo, 1781 | Goethe Haus Palermo
Titelblatt von Siciliae Populorum et Urbium Veteres Nummi – Palermo, 1781

Der Fürst von Torremuzza war kein bloßer Sammler: Er war ein leidenschaftlicher Gelehrter, Autor von Studien wie den Siciliae veteres nummi, in denen er den alten Zivilisationen der Insel wissenschaftliche Würde verlieh. Edel im Blut, aber noch edler im Geist, verkörperte er den Typus eines Mannes, den Goethe, der aus dem kalten Deutschland kam, als Symbol eines kultivierten und leuchtenden Mittelmeeres bewunderte.

Goethe, der sich den Münzen mit einer gewissen Distanz genähert hatte, war wie verwandelt: „Ich habe viel Freude und Nutzen aus ihnen gezogen“, schrieb er.

Illustration aus dem Buch Siciliae veteres nummi des Fürsten von Torremuzza | Goethe Haus Palermo
Illustration aus dem Buch Siciliae veteres nummi des Fürsten von Torremuzza

Diese scheinbar nebensächliche Erfahrung löste in ihm ein tiefes Nachdenken aus. In den kleinen Bildern der Münzen erkannte er den eigentlichen Rhythmus der Natur und der Geschichte, die Metamorphose der Formen, die er später in seiner Theorie der Urpflanze entwickeln sollte. Er erkannte, dass Sizilien nicht nur ein Land des Lichts und der Farben war, sondern ein lebendiges Archiv der Zivilisation, in dem Kunst und Wissenschaft in demselben Streben nach Harmonie verschmelzen.

So fand Goethe im Palermo des 18. Jahrhunderts, zwischen dem Meer und den Gärten der Villa Giulia, einen Gesprächspartner, der die höchste Seele der Insel verkörperte. Der Fürst von Torremuzza repräsentierte jenen palermitanischen Adel, der trotz seines Prunks und seiner Paläste den Wert des Studiums, die Hingabe an das Wissen, die Leidenschaft für das Schöne und die Erinnerung an die Vergangenheit nicht vergessen hatte.

Als Goethe den Palast verließ, wandte er sich dem Meer zu und dachte, dass in diesem Land alles doppelt geboren zu sein schien: die Natur, die ewig blühte, und der Mensch, der sich im Wissen fand. Palermo erschien ihm dann nicht als bloße Etappe der Reise, sondern als Offenbarung: „Ohne Sizilien kann man Italien nicht verstehen; hier ist der Schlüssel zu allem.“

Der Palast der Fürsten von Torremuzza ist nur wenige Schritte vom Goethehaus entfernt (siehe Satellitenplan).

Plan der Rione Kalsa mit dem Goethehaus und Palazzo Torremuzza | Goethe Haus Palermo
Plan des Kalsa-Viertels mit dem Goethehaus und dem Palazzo Torremuzza

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Un sito sulla straordinaria figura di Goethe.

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